PLAYLUST KOMPAKT NO 10
Diese Woche war ich in London auf Stil-Pirsch zwischen Laufsteg und East End. Warum macht die Stadt in Sachen Mode einfach alles geiler als der Rest der Welt? Das muss definitiv der einzige Ort sein, wo die Strasse mehr Originaltät und Exzentrik bietet als die Laufsteg-Szene – die verdammt gut aussieht, versteht sich. Habe in drei Tagen London so viele Bilder geschossen, wie in drei Jahren Zürich, schätze ich mal. Jedenfalls sagt mein Mac jetzt: Kein Speicher mehr! Nicht mal den eigenen Blog zeigt er noch richtig an. Auch ich bin nach Backstage-Exzessen (u.a. im Londoner Freimaurer Tempel) und ausgiebigen Stilwanderungen bei bestem Britenwetter, also Dauerregen, so ziemlich auf dem letzten Zacken. Aber wie heisst es doch: Stirb vor Erschöpfung, nicht aus Langeweile. Doch bevor mein Laptop und ich endgültig den Schirm zumachen: Der Londoner Übertrend heisst PARKA! PARKA! PARKA! Und zwar eindeutig die abgewetzte Sorte. Die es praktischerweise bei Topshop zu kaufen gibt. Dazu gehört zwingend eine Messenger-Tasche aus braunem Leder oder Opas Leintuch-Rucksack. Die Haare sind bevorzugt weiss und an einer Seite glattrasiert. Die Londonerinnen halten dem Amy Winehouse-Lidstrich weiterhin die Treue. Szenige Londoner Jungs sehen aus wie eine Kreuzung zwischen Sherlock Holmes und dem jungen Dylan.
Die besten London Looks, Backstage-Bilder und Showreports aus London laufend neu gibt es ab sofort
hier, so meine Festplatte will. Bon appétit!

© Play Hunter
Schlagzeilen machte diese Woche auch Burberry Prorsum. Nicht wegen des mit grossem Pi Pa Po angekündigten Live-Streams. Das ist ist mittlerweile Old News, sogar die eher rückständigen Mailänder Modehäuser streamen jetzt live (siehe unten). So wirklich innovativ und ein extrem cleverer Marketing-Schachzug von Burberry war aber die Möglichkeit, die gezeigten Sachen gleich simultan zum Stream vorzubestellen. Das Angebot ist noch bis am 26. Februar gültig, btw.
Der Live-Stream erinnerte im Stil stark an eine typische CNN-Breaking News Übertragung (ironischerweise wurde der Stream auch auf CNN übertragen). Das war alles perfekt inszeniertes Fashion Frontline-Reporting. Dumm nur, dass die Kombination Trenchcoat + Mikro + Liveübertagung einfach zu sehr Reportermantel ist. Und das ist ein Cliché, von dem sich selbst hartgesottene und kriegserprobte CNN-Starreporter längst verabschiedet haben. Die tragen jetzt sehr tighte graue Jersey T-Shirts, die die gestählte Oberkörpermuskulatur perfekt zur Geltung bringen. Wie zuletzt gesehen in Haiti. Merke: Trenchcoats gehen höchstens an Mode-und Lifestylejournalisten.

This is Burberry, reporting live from Horseferry House, London, England
Die nächsten Fashionshow Live-Übertragungen finden hier statt:
26. Februar: Jil Sander 19.45 Uhr via eigene Website
27. Februar: Gucci 11.45 Uhr via Facebook-Fanpage
28. Februar: Dolce & Gabbana 13.00 Uhr exklusiv via iPhone
Rot ist tot. Die New York Fashion Week hat den Roten Teppich Look gekillt. Marc Jacobs, wie immer der Trendsetter, hat die Promis aus der ersten Reihe gekippt. Weil zu teuer, zu wenig Geschmack, zuviele Paparazzis im Schlepptau. Vor allem aber: weil aus der Mode gekommen. Wir weinen keine Träne nach. Nach den Exzessen der Nullerjahre und in wirschaftlich harten Zeiten richten die Designer den Hauptfokus wieder auf die Kernzielgruppe: Die Kundinnen. Die haben nicht unbedingt das Bedürfnis nach Abendkleidern, die VIP-Lifestyle schreien oder zumindest einen Chauffeur zwingend vorschreiben. Dafür dominieren auf den Laufstegen jetzt glamourös-graue Tagkleider. Für Frauen mit Business-Lifestyle. Understated Luxury lautet die Losung. Jemand muss das einfach noch unseren C-Promis beibringen. Nun warten wir gespannt auf die Oskar-Nacht. Wird der Rote Teppich so grau wie die neue Herbstmode?
Oh, à propos Marc Jacobs. Backstage bei Marc by Marc Jacobs sah unter anderem so aus.
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