PLAYLUST KOMPAKT NO 23: STARS, CELEBRITIES UND EIN GROSSES BRITISCHES FRÜHSTÜCK
Wie ist eigentlich das Paparazzi-Verhalten von Mode-Ikone Alexa Chung, Ex-Oasis Sänger Liam Gallagher oder Sir Bob Geldof – beim ersten Konzert von Tochter Pixie? Ein Nahkampf-Report aus dem Londoner In-Club Studio Valbonne.
Das ist ekelhaft! Ich finde dich echt ekelhaft! Kannst du die Leute nicht fragen, bevor du sie fotografierst? Ähm. Nein. Nicht wenn es sich um it-girlige TV-Persönlichkeiten und Dauerwerbesendungen für Chanel-Taschen handelt, wie Alexa Chung. I mean, who made you famous? Don’t get me wrong, ich mag Alexa, finde ihr Gesicht und das Wuschelhaar faszinierend, irgendwie hat sie etwas Bodenständiges. Alexa-Posen aber mag ich nicht. In solche werfen sich Fashion Blogger geübte Mode-Ikonen immer. Gähn. Ausserdem kann ich nichts dafür, dass es wirklich ganz furchtbar entsetzlich ist, als Paparazzi-hassende Freundin mit Alexa Chung in der VIP-Lounge des Londoner In-Clubs Studio Valbonne abzuhängen. Besonders, wenn es sich um die Einweihungsparty der neuen Wunderjeans Levi’s Curve ID handelt, zu der das U.S-Traditionslabel führende Fashion-Blogger aus aller Welt einfliegen liess.
Das sagte ich Alexas fetter Freundin natürlich nicht. Stattdessen klopfte ich ihr auf die Schulter und sagte It’s ok, I love your shearling jacket, dahling. Und schoss, da die Sicht jetzt endlich frei war, dieses Bild von Alexa:
Weder Liam Gallaghers Kleidungsstil noch sein Paparazzi-Verhalten haben sich seit 1995 verändert: Der Ex-Oasis Sänger trägt immer noch Schlapphut mit kastigem Parka. Beim Anblick einer Kamera schreit er fuck off und schlägt zu. Gut. Der schwule Blogger-Kollege neben mir hätte nicht auf Liams Schritt zoomen sollen (The Cut kriegte draussen immerhin das). Trotzdem. Jemand sollte Gallagher mal stecken, dass Rüpel-Attitüde keine gute Werbung für sein Modelabel Pretty Green ist.
Gross. Statuesk. Anders. Sir Bob Geldof ragt unauffällig aus der Menge heraus. So jemanden möchte man nicht einfach abschiessen, das verbietet der Respekt. Und der Anstand: Vor einigen Tagen beerdigte Geldof den Vater. Ich nähere mich diskret, fixiere seinen Blick. Hebe kurz die Kamera hebe fragend die Augegenbrauen. Er: nickt unmerklich. Verzieht ansonsten keine Miene. Und wirft sich schon gar nicht in Pose. Das ist rar. Ich schiesse zwei Bilder. Fertig. Schmerzlos. Für beide. Das ist der Unterschied zwischen Star und Celebrity.
Fashion, Bits and Bob: Sir Bob Geldof lässt Nachwuchs-Blogger Pascal Grob vom Blog Fashion Bits & Bobs kalt. Ach, die Kinder.
Bob Geldof war hier, um den ersten Live-Showcase von Tochter Pixie beizuwohnen. Klar wurde kräftig nachgeholfen – nicht nur bei Pixies blondierten Rasta-Extensions. Papa hat’s trotzdem gefallen; er hat viele, viele Bilder geknipst. Pixies Bühnenpräsenz beweist jedenfalls, dass sie, anders als Schwester Peaches, mehr nach dem Vater schlägt. Und das ist gut so. Mach was draus, Pixie.
Fotos waren beim Showcase von Pixie streng verboten, ausser man hiess Bob Geldof. Machte trotzdem welche.
Am nächsten Morgen beschloss ich, einen Tribut an Paula Yates zu zollen. Die Mutter von Pixie pflegte in den Neunzigern in der britischen Morgenshow The Big Breakfast ihre Gäste flott und frivol im Bett zu interviewen. Dagegen sind die heute typischen 15-Minuten Interview Slots mit angeödeten Stars und Sternchen in anonymen Hotel Suiten Knäckebrot-Kost. Ich brauchte eine gute Stunde, bis ich mein grosses, englisches Frühstück verdrückt hatte. Danach fühlte ich mich grossartig. Die Curve ID Jeans waren nicht geplatzt. Die Sonne schien und sang Wake-up it’s a beautiful morning.
© PLAY HUNTER
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Published 2010-08-25 13:10:56 in PLAYLUST KOMPAKT (DE) SCHWINGFEST
PLAYLUST KOMPAKT NO 22: SCHWINGEN, SCHWEISS UND SWISSNESS
Und jetzt mal was ganz anderes. Am Wochenende besuchte ich das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld. Als wahrscheinlich erste Schwinger-Paparazza. Und erlag dem bärbeissigen Charme schwergewichtiger Männer in urchigen Edelweisshemden und Twillhosen, die sich im Sägemehl ringen. Wer hätte gedacht, dass Schweiss und Swissness soviel Spass macht? Ein Schwing- und Stilbericht.
Das Eidgenössische Schwing-und Älplerfest: Es riecht nach Swissness-Falle und etwas streng nach gegrilltem Fleisch, Raclette und Caipirinha. Und abends nach Ballermann-trifft-Oktoberfest. Knorrige Bauern mit Stumpen und Strohhüten. Stiernackige Schwinger mit Hang zum Übergewicht. Lebendpreise (Kühe, Pferde und natürlich Stier Arnold, der Hauptpreis)! Jodelchörli. Klingt nicht nur extrem uncool, ist extrem uncool. Und genau darauf steht mir der Sinn, seit längerem.

Hingucker: So hat man eine Fashionista wohl noch nie gesehen © PLAY HUNTER
Kommen wir zum Wesentlichen, dem Dresscode. Der ist einfach und lautet: Egal, Hauptsache Edelweisshemd. Genau das von den Plakaten, wo es an Ex-Schönheitsköniginnen und anderer helvetischer C-Prominenz für die Schweizer Bauern wirbt. Was bislang einen Kauf verhinderte. Am Schwingfest gab es vor dem Edelweisshemd kein Entrinnen. Schnell kapierte ich auch warum: Es ist der textilgewordene Schweizer Kompromiss. Das Hemd einigt den hippen Städter mit dem traditionsbewusstem Landwirt. Die alpine Antwort auf die Jeans steht einfach jedem. Egal ob in lang- oder kurzärmlig, in grau, grün oder braun. Am schönsten aber ist die hellblaue Version ohne Kragen. Und am besten trägt man das Hemd zu schlichtem Denim, die Ärmel hochgekrempelt.

So richtig rock’n'rollig aber sieht das Edelweisshemd erst an einem Schwinger frisch vom Kampf aus, wenn an ihm Sägemehl, Schweiss, manchmal sogar Blut klebt:


Ich fand den Anblick so faszinierend, dass ich zur wohl ersten Paparazza von Schwingern frisch vom Kampf wurde. Das ist etwas peinlich, aber nötig für mein Bild der Schwinger und ihrem Sport: Urchig-Bös, kampfesmutig aber auch: menschlich, ungeschönt.
Neben seinen kräftig gebauten Schwingerkollegen wirkt Kilian Wenger (101 Kilo, 1.90 m) wie ein Znünibueb. Auch im Auftreten ist der Zwanzigjährige Schwinger mit der Statur eines Schwimmers anders. Siegorientierter. Ein Achtungfertiglos-Typ. Tunnelblick an. Rein in die Arena. Kampf. Sieg. Raus aus der Arena. Keine Interviews. Kein Posing. Keine Autogramme. Falls er kampfesmüde ist, zeigt er es nicht. Auch als Schwingerkönig bleibt der Diemtigtaler mit Gefühlsäusserungen bescheiden.

Dafür kennen die Medien kein Halten mehr Für den Boulevard ist der König jetzt vor allem -OMG!- Mr Single und bodenständiges Pin-up. Der Rest und die Fachexperten aus Sport-und Marketing sind sich einig: Aus Wenger Kilian wird der Roger Federer des Schwingsports. Oder zumindest der bessere Mr Schweiz. Weil: Jung. Schön. Bescheiden. Schweizerisch eben.
Klingt gut. Klingt aber auch verdächtig nach Atelier Pfister, der neuen, zeitgeistigen Linie des grundbiederen Schweizer Möbelhauses. Die PR definiert Zeitgeist so: radikale Qualität durch grundsolides Handwerk und zeitbeständiges Design, das sich vom Rest abhebt. Das klingt so schweizerisch wie austauschbar. Nur so gesagt.

Radikale Qualität und grundsolides Handwerk: Werte, die sowohl Atelier Pfister als auch Schwingerkönig Kilian Wenger repräsentieren. © Atelier Pfister
Ob Zeitgeist oder nicht – urchiges Brauchtum wie Schwingfeste ist wieder voll gesellschaftsfähig, das bestätigen die Zahlen: 250′000 Festbesucher in Frauenfeld. Rekord! 700′000 Zuschauer lockte der Schlussgang am Schweizer Fernsehen an, das 18-Stunden live vom Event berichtete. Klingt eindeutig nach Triumpf des Ländlichen über die Stadt, vor allem das arrogante Zürich. Ist aber eindeutig falsch: Schweizer Brauchtum wie das Schwingen oder Ländlermusik wurde zwar auf dem Land oder in den Bergen geboren. Populär haben es aber die Städter gemacht. Die moderne Volksmusik wurde vor rund achtzig Jahren in Zürichs Tanzkaschemmen geboren. Die Musikanten vom Land verdienten hier ihr Geld als Tanz-und Unterhaltungsmusiker. Sie hiessen Kari Keiser oder Sepp Stocker und waren sozusagen die DJs ihrer Generation. Der erfolgreichste Schwinger aller Zeiten, Karl Meli, kommt aus der einstigen Industriestadt Winterthur.
Anyway. Das Eigenössische machte sehr viel Spass. Viel mehr Spass als jede Zürcher-Szeneparty, wo man ja immer so angestrengt auf Cool machen muss, dass es provinziell wirkt. Im Vergleich war am Schwingfest alles erfrischend einfach, unkompliziert und entspannt. Man kann auch sagen: Cool. Einfach auf schweizerische Art.
PS1: Wem das alles zuviel Swissness ist, kann ich damit beruhigen: Die nächste Kompakt kommt aus London und mit VIP-Faktor.
PS2: Wem das alles zuwenig Schwinger und Schwingfest ist, hier geht’s zur kompletten Berichterstattung
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Published 2010-08-11 23:11:08 in OTHER RUNWAYS PLAYLUST KOMPAKT (DE)
PLAYLUST KOMPAKT NO 21: YOUNG & SMART (& SOCIALIST)
Models mit Macke(l)n, Mode ohne viel Mucke, das Ganze aber mit viel Zack, Cool und einem Schuss Radical Chic: An der Young at Art Modenacht in Zürich servierten neun lokale- und internationale Nachwuchsdesigner scharfe Modekost. Ein Backstagereport.
Es ist schon lustig: Die Schweiz ist in Sachen Mode das reinste Entwicklungsland. Was uns aber nicht davon abhält, jeden November internationale Shootingstars wie Alexander Wang oder Rodarte nach Zürich einzufliegen, zur Verleihung des Swiss Textiles Award, eine Art Mode-Oskar. Seine kleine freche Schwester heisst Young at Art. Die dritte Ausgabe der Modenacht fand am Freitag im chicen Saal des Zürcher Kammerorchesters im noch chiceren Seefeldquartier statt. Zum guten Glück dominierten am Freitag statt der letztjährigen Haute Heidi- und Peterkost scharf gewürzte Kreationen aus Berlin. Das gilt auch für die Models, die für Schweizer Verhältnisse erfrischend hart und kantig aussahen. Gut so. Weiter so.
Los ging’s mit Elisa Lindenberg & Tobias Noventa von Moga E Mago. Das Label debütierte im Juli erfolgreich an der HBC.Couture in Berlin. Und, ähm, wie soll ich es sagen. Well, wenn sich meine Kamera in eine Kollektion verknallt, sieht das so aus:

Es kommt eigentlich nicht vor, dass die Stilmerkmale Sozialismus, Balkan Heritage und Slogan T-Shirts mich vor Begeisterung umhauen. Berlin Fashion Week Standout-Collection hin oder her. Aber I’m A Good Socialist von Sadak ist tatsächlich eine dieser raren Mode-Würfe, die sofort Gänsehaut in mir auslösten. Gut, modeferne Menschen denken wahrscheinlich: Was soll an voluminösen Pyjamas im Zickzack-Look so toll sein? Modemenschen aber denken: Endlich! Kein Replikant der Céline-Armee, die gerade weltweit die Laufstege mit minimalistisch-blasser Mode gleichschaltet. Ich finde: Mit dem gebürtigen Serben und Weissensee-Abgänger Sasa Kovacevic haben wir endlich wieder einen Designer, der nach dem Robert Kennedy-Schlachtruf kreiert: If not now, when? If not us, who?

Auf Zack: Modevölker, hört die Sadak-Signale
Oh, und es erfüllt mich mit besonderer Freude, dass meine persönliche Standout-Absolventin des Modeinstitut Basel, Nicole Hauri, ihre Drohung, sich fortan Kunst-Projekten zu widmen, NICHT umgesetzt hat. Und auch dem Rat der Schulleitung, es doch bei Zara zu versuchen (?!!!) nicht erlegen ist. Ihr Mut und Eigensinn haben sich gelohnt: Nicole wurde als Einzige ihrer Klasse an die Young at Art eingeladen.

Nicole Hauri: Mut ist gut. © PLAY HUNTER
Die ausverkaufte Young at Art beweist: Auch in der Schweiz findet edgy Mode durchaus ein Publikum im Mainstream-Bereich. Jemand müsste das nur noch der hiesigen Mode-Presse stecken, die mit Ausnahme der Kolleginnen von Kinki und Friday, mit Abwesenheit enttäuschte. Aber wie heisst es doch: Wer zu spät kommt, bestraft die Leserschaft.
Wir jedenfalls kommen nächstes Jahr garantiert wieder.
Komplette Berichterstattung und Bilder zur Young at Art finden sich laufend hier
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Published 2010-07-29 01:30:00 in PLAYLUST KOMPAKT (DE)
PLAYLUST KOMPAKT NO 20: GIRLS ON FILM
Kennt ihr eigentlich einen Film, der diese drei Kriterien erfüllt: 1. Es gibt mehr als eine Frau drin. 2. Die Frauen sprechen miteinander. 3. Die Frauen sprechen nicht über Männer.
Also mir fallen da spontan nur Thelma & Louise und so typische Frauenfilme wie The Hours und Fried Green Tomatoes ein. Sex And The City zählt nicht. Ist ja kein Film, sondern eine Dauerwerbesendung. Und auch Lola rennt allein.
Aber wofür hat man ein soziale Netzwerke. Die Spontan-Umfrage auf Twitter ergibt zuerst ein betretenes “Hmmmmmmmmm…hmmmmm…. “. Auf FB kommentiert Freundin M: “Happy go Lucky – dort ist es umgekehrt”. FB Freund D. schlägt The Descent vor mit der Begründung: “Dort werden die Frauen in der Höhle niedergemetzelt.” Nun gut, da bleibt wohl keine Musse, sich über Männer zu unterhalten.Weitere Tipps: Bound, All about Eve und Desperately Seeking Susan. Ok, da ist Madonna drin. Dafür zeigt bereits der Trailer sehr schön, woher Madonna-Tochter Lourdes die Outfits für die neue Modelinie abgekupfert hat.
Die gute Nachricht: Es gibt eine ordentliche Anzahl Filme, in denen Frauen vorkommen, deren Gesprächshorizont nicht beim anderen Geschlecht endet, zu finden auf Bechdel Test. Die nicht so gute, wenn auch wenig überraschende Nachricht: Die meisten Hollywood-Blockbuster Filme fallen aber klar durch.
Warum? Sind Frauen Kassengift? Haben wir es tatsächlich mit einer sexistischen Mafia aus Drehbuchautoren und Regisseuren zu tun, wie Feministinnen nie müde werden zu behaupten? Oder ist es doch mehr Wahrheit als Klischee, dass bei vielen Frauen das männliche Geschlecht Gesprächsthema Nummer Eins ist? Womit das Kino einfach die Realität spiegelte. Oder ist das genaue Gegenteil der Fall; locken uns gerade die oft archaisch anmutenden Geschlechterrollen und Storys in die Kinosäle?
Sachdienliche Hinweise, Kommentare sowie Bechdel-Test taugliches Kino jenseits von Hollywood werden dankend entgegengenommen.

Gut im Schuss bis zum Schluss: Thelma & Louise
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Published 2010-07-08 00:01:48 in FASHION & PASSION FOOTBALL PLAYLUST KOMPAKT (DE)
PLAYLUST KOMPAKT NO 19: SCHWEIN ODER STIER?
Vergessen wir Fashion und Kalorien. Das ist was für spielfreie Tage. Gestern lauteten die zentralen Fragen: Schwein oder Stier? Tor! Tor! Tor! Oder: Aus! Aus! Aus! Tränen und Toreros! Der Stierkampf, ähm, Halbfinal-Knaller Deutschland – Spanien versprach deftige Fussballkost und Dramatik pur. Besonders aus Sicht eines bekennenden Deutschland-Fans.
Achtung, fertig, Schuss: Carles Puyols kapitaler Bock in der 73. Minute machte brutal Schluss mit dem teutonischen Sommermärchen. Gibt es bei den Deutschen jetzt Krakenorakel Paul zum Nachtisch?
Paul, das Krakenorakel sah es kommen: Krakenlocke gegen Schweinsteiger 1:0 © ARD/SF2
Aber wir dürfen weiterträumen vom vierten Stern für Deutschland. Die Jungsmannschaft hat (wider Erwarten vieler) ein grossartiges Turnier gespielt. Deutschland gegen England und Argentinien, das sind Spiele und Siege, die von dieser WM im kollektiven Gedächtnis kleben bleiben. Die Deutschen haben stets mit Hingabe und Schneid gespielt und mit Spielwitz und Kreativität die Herzen rund um die Welt erobert. Das ist neu. Es gilt jetzt als offiziell cool, die Nationalmannschaft zu unterstützen. Sogar in der Schweiz konnte man sich zum allerersten Mal überhaupt öffentlich als Deutschland-Fan outen und war trotzdem voll gesellschaftsfähig. Aber gestern waren die Spanier einfach besser. In vier Jahren sind die Jungs erwachsen. Die Zukunft gehört euch. Auf Wiedersehen in Brasilien.
© collage PLAY HUNTER
Und nun zur Mode: Del Bosques Dinosaurier-Daunenjacke hat zwar gegen Löws tighten blauen Kaschmirpulli 1:0 gesiegt. Gestern hat aber auch die Berlin Fashion Week begonnen. Wie immer sind die vier Tage rappelvoll mit laut trötenden Shows und Partys. SugarHigh, eine Art Ron Orp’s Newsletter speziell konzipiert für die Modewoche, sagt, wer und was wo läuft. Und was sich lohnt zu sehen. Plus Designerportraits. Feine Sache. Das erspart einem glatt den Trip nach Berlin. Auf Deutsch und Englisch.
Irgendwie ist es in der Mode doch wieder so wie beim Fussball: Vor soviel Effizienz, Offensiv-Strategie, Risikobereitschaft und Kreativität können wir hier in der Schweiz nur träumen. Charles Voegele Fashion Days im November hin oder her. Charles Voegele wer? Jede Stadt kriegt die Modewoche und Titelsponsor, den sie verdient. Amen.


© SugarHigh
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Published 2010-06-23 00:02:30 in ART Art Basel DESIGN MIAMI PLAYLUST KOMPAKT (DE)
PLAYLUST KOMPAKT NO 18: DAS ART BASEL TAGEBUCH
An der Art No 41 brummten die Geschäfte wieder. Ich hatte eine Begegnung mit Björk und einem BH. Trotzdem: Die exzessiven Jahre sind vorbei. Dafür ist die Kunst wieder der Star. Gut so.
FREITAG, 11. JUNI: MATTHEW BARNEY VERNISSAGE, SCHAULAGER
Wollen Sie meinen BH fotografieren? offeriert Ulla Dreyfus (von der Privatbankier-Familie). Ja bitte (die millionenschwere Kunstsammlerin will einen Striptease hinlegen? Die Art fängt ja perfekt an). Los, zeig ihr meinen BH. Die junge Begleiterin öffnet ihre Handtasche und präsentiert einen schwarzseidenen BH. Sie ist eine BH-Sammlerin, wissen Sie. Und eine Schuh-Kennerin. Ich tippe auf: Rick Owens.

Die Kunst-Sammlerin, die BH-Sammlerin, ein Teil der Schuh-Sammlung © PLAY HUNTER
Tout Art Basel ist da, sowie Björk, mit Nachwuchs, ohne Bodyguard. Das ist heute der Abend meines Ehemanns, erklärt der isländische Superstar die beinahe Schweizerischer als schweizerisch anmutende Präsenz. Vanessa Paradis ist auch da, leider ohne Ehemann.
MONTAG, 13. JUNI: ART UNLIMITED & DESIGN MIAMI PREVIEW
Wo sind die Galleristas? Statt Louboutins sehe ich nur: Vintage-Sneakers und Gesundheitslatschen. Die Modesünden der Neunziger versperren die Sicht auf die Gegenwartskunst.

Die Richard Prince Tasche von Louis Vuitton war vor zwei Jahren zwingender Bestandteil jeder Art-Gallerista, die damals dazu selbstverständlich Louboutins trug © PLAY HUNTER
Flüchte zur Design Miami. Die feiert den 20. Geburtstag. Optisch sieht es dort aus wie der geschmackliche Zusammenprall von Tyler Brûlé (Monocle) und Scott The Sartorialist Schuhmann. Also was sich in der Lobby eines ambitionierten 5-Sterne Boutique-Hotels so alles tummelt.
DIENSTAG, 14. JUNI: ART FIRST CHOICE, ART PREVIEW & PARTYTIME
11 Uhr früh, Art First Choice. Der Privat-Shoppinganlass für VIP-Sammler ist rappelvoll. Mittendrin filmt MvH, der Gesellschaftskolumnist der Weltwoche – sich selbst? Nein, für die eigene Promi-Sendung (ab morgen Donnerstag auf Pro 7 Schweiz). Aber wo sind die Promis? Jedenfalls nicht in der VIP-Lounge (Glas Champagner: 20 CHF). Übrigens, die beliebtesten VIP-Accessoires dieses Jahr sind, kein Witz: Babys und Buggys. Nach Nummer 18 höre ich auf zu zählen.

Rush Hour: Die VIP-Lounge um 13.00 Uhr © PLAY HUNTER
MITTWOCH, 15. JUNI, ART UNLIMITED FUSSBALL LOUNGE
Tortillas oder Fondue? Anyway, this is the place to be. Agnès Varda, die französische Filmemacher-Legende und Frisur-Ikone, setzt sich neben mich. Mögen Sie Fussball?! Eigentlich nicht, aber jetzt schon, meint sie und schaltet die Handycam ein. Tor für die Schweiz. Die Galeristen und Sammler toben auf den Tischen. Nur Uli Sigg, Schweizer Ex-Botschafter in China und jetzt bedeutendster Sammler chinesischer Gegenwartskunst, verfolgt das ganze Spiel ungerührt wie eine Sphinx, an einer Cola nippend.

Fussball verbindet: Die Sphinx und die Frisur © PLAY HUNTER
DONNERSTAG, 16. JUNI, VITRA PARTY
Der VIP-Status ist auch nicht mehr, was er mal war. Limo-Service a gogo ist auf eine Fahrt pro Tag gestutzt. An die Vitra-Party wird man gar im Trolleybus transferiert – eingepfercht mit gefühlten 500 Mit-VIPs. Wegen Starkregens fällt die Open-Air Party ins Wasser. Dafür herrscht im Zelt echte Schweizer Provinzfeststimmung. Statt Bier und Holzbänken gibt’s einfach Champagner und Vitra-Sitzobjekte.
FREITAG, 17. Juni ES REGNET. STARK UND DAUERHAFT
Ein Tag zum Vergessen. Gilt auch für die Partys. Der Konsens ist: Seit dem Ende der Ära Sam Keller, bzw. den offiziellen Art Basel Partys, sind das keine Anlässe mehr, von denen man noch Jahre später spricht. Heute sind klar wieder private Dinnerpartys the new old dancefloor.
Samstag, 18. JUNI
Ich schiesse Bilder, meine Freunde kaufen Bilder. Was mache ich falsch. Brauche dringend einen Agenten. Jetzt und sofort.

Pop(o)-Kunst von Warhol läuft an der Art immer wie geschmiert © PLAY HUNTER
SONNTAG, 18. JUNI
Die Brit-Artists Douglas Gordon und Jeremy Monk präsentieren im Art Salon ihr neues Buch mit einem flotten Strip. Muttis schieben den Nachwuchs durch das Papplabyrinth von Michelangelo Pistoletto. Besucher stehen Schlange, um in Yayoi Kusamas Kosmos-Kabine neunzig Sekunden Ewigkeit zu erleben. Italien spielt 1:1 gegen Neuseeland. Mode kommt, Glamour geht, wir erliegen weiterhin der Kunst. Am liebsten an der Art Basel, der besten Wunderkammer der Welt.
Die komplette Art Basel und Design Miami Berichterstattung gibt’s hier
LOOK LOOK: ZURICH LOOK BOOK 2010
Glamour Deutschland (Juli 10) schreibt über unser Online Stil-Journal: Mit einem Mix aus Mode, Kunst und Homestorys lässt die Fotografin ihre Eidgenossen in metropolitanischem Glanz erscheinen… Fängt das Lebensgefühl der Stadt zwischen Chic, Coolness und Cervelat ein. Absolut inspirierend.

See you an der Art 42 © PLAY HUNTER
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Published 2010-06-08 21:48:13 in Art Basel FOOTBALL PLAYLUST KOMPAKT (DE)
PLAYLUST KOMPAKT NO 17: GALLERISTAS UND FOOTBALLISTAS
Nächste Woche pendle ich zwischen der Art Basel, Bereiche V.I.P- und Partyzone, und der Fussball WM, Bereich Public Viewing. Das Dilemma lautet wie immer: Wie schaffst du den Spagat? Beziehungsweise: Was ziehe ich bloss an?
Besser nicht: Overalls, Gladiator-Sandalen, Leggings oder eine XL-Sonnenbrille. Das sind Frauen-Looks, die Männer am meisten hassen, wie eine Umfrage aus dem Soccer-Mutterland England ergab. Natürlich wird das die U.S. Galleristas auch dieses Jahr nicht davon abhalten, die Art Basel zur besten Fashionweek der Welt zu machen. Beweisbilder ab Montag.
Andererseits, liebe Fussballfreunde und Anhänger enger Hipsterhosen: Männer mit Pilotenbrille und sehr behaarten Beinen, die – Gott bewahre – womöglich noch a). Cargohosen, b). Gold Leggings oder c). Sandalen tragen, kommen bei uns Mädels ganz schlecht an. Sagt meine ad hoc-Umfrage auf FB und unter Freundinnen. Aber was sagt die verehrte Leser-Gemeinde dazu?
Ob behaart oder glattrasiert – an entblössten Männerbeinen führt dank Fussball WM ab Freitag definitiv kein Weg vorbei. Und jetzt kommts: Ja, sogar dieser Blog begann mit Kickerbeinen und Matchreports – wie der Name Playlust andeutet. Der erste Blogeintrag vom 26. Mai 2006 fasste das Abendtraining der Brasilianer in Weggis (CH) bereits knapp und knackig so zusammen:
Ich hatte einen Paparazza Volltreffer-Tag!
Ronaldo betritt das Feld mit entblössten Oberschenkeln, +5000 Fans kreischen entzückt. Ronaldhino wird von Blondine gestalkt, die prompt den Applaus der Teamkollegen erntet. Roberto Carlos schirmt das turtelnde Pärchen feinfühlig mit einer Matte vor den Paparazzi ab.

Sämtliche WM 06 Matchberichte hier
© PLAY HUNTER
Hoffentlich haben die Brasilianer Das Trauma von Weggis mittlerweile überwunden. Hoffen wir auch, dass die Schweiz uns schmachvolle WM Spiele wie jenes vom 13. Juni 2006 gegen Frankreich erspart und ich den folgenden Satz nicht copypasten muss:
Ah, what a downer. Hey, this is World Cup, not the competition for All Time Sleeping Pill.
Bei aller Liebe: Ob Fussball die höchste Form aller Künste ist, wie dieser Artikel behauptet? Oder ist es vielmehr so, dass Kunst die höchste Form des Sports ist? Matthew Barney war ein erfolgreicher American Footballer. Dann wurde er einer der erfolgreichsten Gegenwartskünstler, u.a. dank Werken wie dem Cremaster Zyklus An der gestrigen Pressekonferenz anlässlich seiner Ausstellung im Schaulager (Basel, ab Sa), verglich Barney seine Arbeitsweise mit Trainingseinheiten aus seiner Sportzeit. Disziplin, Entbehrung, Liebe und Hass, Sieg und Niederlage, Aufstieg und Fall, Geburt und Tod. Die zentralen Lebensmotive finden sich sowohl in der Kunst als auch in jedem Fussballspiel. Was beides einfach unverzichtbar zum Leben macht, könnte man schlussfolgern.
Wie dem auch sei. Möge das beste Team gewinnen. Der Ball ist rund, und Kunst kommt von Können.
Ausführliche Kunstlaufsteg- und Spielberichterstattung ab morgen Freitag hier und auf Twitter.

Overall: Nina Egli / Family Affairs
© PLAY HUNTER
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Published 2010-05-24 21:16:56 in PLAYLUST KOMPAKT (DE)
PLAYLUST KOMPAKT NO 16: CANNES. EIN SELBSTVERSUCH.
Eigentlich wollte ich über Trenchcoats schreiben, das Wetter. Dann bekam ich eine Einladung zu den Filmfestspielen von Cannes. Ja, wie ist es eigentlich, im Paparazzi-Blitzlichtgewitter über den Roten Teppich zu gehen? Sowie, aus aktuellem Anlass: Wie ist es, ausgerechnet in der Aufführung des Gewinnerfilms der Goldenen Palme zu sitzen?
Die Kurzantwort zu beiden Fragen lautet: super.
Die Langfassung beginnt, wie immer, mit einer Email, diesmal von Festivalsponsor und A Very Good Trip-Veranstalter Renault. Schon wieder ein Bloggerevent von einer Automarke, was mache ich bloss falsch, ging es mir durch den Kopf. Aber das lag an meiner fiebrigen Erkältung. Eine VIP-Einladung nach Cannes schlägt man nicht aus. Am Freitagmorgen jettete ich nach Nizza.
Das Klischee kooperierte zur vollsten Zufriedenheit: Natürlich war das Wetter perfekt und die Sicht auf die Jachten unverstellt beim Lunch am Strand des Hotel Majestic Barrière am Boulevard de la Croisette. Wir waren umgeben von Französinnen, die aussahen wie schicke Filmkritikerinnen oder junge Deneuves, auf jeden Fall wie aus dem Blog von Garance Doré. Und, na ja, Riviera-Bonvivant Franzosen.

Wir, das waren Schnati von LesMads, ich und sechs weitere europäische Blogger. Nach dem Lunch, an dessen Bewältigung in Frankreich ja nicht vor 15 Uhr zu denken ist, promenierten Schnati und ich kurz entlang der Croisette, wo es leider nicht viel Stil zu entdecken gab, dafür wiederholt Karl Lagerfeld als Flasche (natürlich überlebensgross auf einer Special Coca-Cola Light Edition). Danach ging’s zurück ins Hotel. Uns blieben: 100 Minuten für den Red Carpet Look.
Mein Outfit dauerte exakt: drei Minuten, Cathérine Deneuve sei dank. Die hatte hier zwei Tage zuvor eine Pressekonferenz in nichts als einem marineblauen Trench, Netzstrümpfen und einer Zigarette gegeben. That’s all it takes, auch in Cannes. Belle de Jour, belle toujours. Und schliesslich wollte ich ja über Trenchcoats schreiben, die treuen Partner für sämtliche Wetter- und Teppichlagen.
Nach Cocktails am Majestic Beach wurde die Sache ernst. Obwohl das Film Palais nur einen Katzensprung enfernt lag, insistierte die Festivalleitung auf die strikte Einhaltung des VIP-Protokolls: Eskortierung in offiziellen Festivallimousinen entlang der Croisette direkt vor die Montée des marches, die berühmten Treppen, reserviert für Stars, Sternchen – und nun auch: Blogger.
Zu diesem Zeitpunkt waren Schnati und ich etwas pompette, wie der Franzose sagt, ziemlich angesäuselt. Nicht der schlechteste Zustand, denn die Schleichfahrt entlang der begeistert knipsenden Menschenmassen wäre im stocknüchternem Zustand etwas scary gewesen.


An der Montée des marches sieht die Lage so aus: Der Rote Teppich ist lang, die Treppe steil, die Paparazzi schiesswütig, auch bei Nobodys, wie uns. Ausserdem wird das Defilee der Black Ties und Abendroben rund um die Croisette auf Grossleinwand übertragen. Und jeder Gast will jeden Moment auf dem iPhone verewigen. Es gilt, das Ganze möglichst mit Contenance sowie – ganz wichtig – mit Perma-Lächeln zu meistern.


Ich hatte mit allem gerechnet, aber mit einem Paparazzo-Stossgebet nicht. Lag es an meinem Trench?

Zum Star des Abends, dem Film Onkel Boonmee des thailändischen Regisseurs Apichatpon Weerasethakul. Der Protagonist Boonmee liegt mit Nierenversagen im Sterben. Er zieht sich in den Dschungel zurück, wo ihn die Geister seiner verstorbenen Frau und Bruders heimsuchen. Letzterer erscheint in Gestalt eines Affen, der seinerseits verblüffende Ähnlichkeit mit dem aus StarWars besitzt. Die Handlung setzte sich fast so zähflüssig fort, wie der Schleim aus meinen Stirnhöhlen. Das totale Kontrastprogramm zum Glamourexzess von vorhin, das kann nur Cannes. Und wo sonst ist es möglich, dass dann ausgerechnet Onkel Boonmee die Goldene Palme gewinnen sollte?

Regisseur Weerasethakul betritt den Kinosaal.
Wahrscheinlich rieb sich auch Jury-Präsident Tim Burton bei der Sexszene zwischen einer Thai Prinzessin und einem sprechenden Wels die Augen. Ob das allerdings reicht, den Streifen zum Publikumsrenner zu machen? Die meistgehörte Frage nachher im Foyer lautete jedenfalls: Hast du gut geschlafen?
PS: Als Vertreterin der Schweiz in Cannes erachtete ich es als Pflicht, Roman Polanski zu gedenken, der noch immer unter Hausarrest im Gstaader Chalet steht. Zu diesem Zweck trug ich meine Polanski-Sneakers im Schuhbeutel zur Filmvorführung, was nicht sehr glamourös aussah, aber das muss Stil auch nicht. Au revoir à Cannes.

Polanski am offiziellen Festival Strand. © PLAY HUNTER
Weitere Cannes-Posts folgen hier
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Published 2010-05-07 00:07:03 in PLAYLUST KOMPAKT (DE)
PLAYLUST KOMPAKT NO 15: MODETUSSIS, MIDLIFE CRISIS, MORODER
Regen macht schön, aber keine schönen Bilder. Das schlechte Wetter erlaubte mir dafür, mich dem Modephänomen Haul-Vlogging zu widmen. Die deutsche Übersetzung lautet: US-Modetussis führen auf YouTube ihre neusten Shopping-Beutezüge vor. Penibel bis ins Detail wird jeder einzelne Einkauf erklärt, der Inhalt von Handtaschen enthüllt und Mädchen-Schlafzimmer zum Laufsteg umfunktioniert. Die Wirkung der Videos schwankt zwischen Narkose und Realsatire. Wohl darum ist die Suchtgefahr: gross.

© Allthatglitters21
Wer tut sich das an? Nicht selten 200′000 User. Pro Video. Fashion-Snobs, darunter auch – tz tz tz – Modeblogger, rümpfen etwas die Nase und Feministinnen sprechen von Mode-Porno. Völlig zu Unrecht. Exzessive Sammelwut gepaart mit Mitteilungsdrang kommt auch in der Hochkultur vor. Und das nicht zu knapp.
Die Achtziger sind der ewige Spielplatz für Menschen, die nicht erwachsen werden wollen. Besonders anfällig sind Männer aus dem Kunstbereich um die vierzig. So auch der Journalist und Publizist Georg Diez (*1969) und der Künstler und Regisseur Christopher Roth (*1964). Die beiden verarbeiten die persönlichen Schicksalsjahre 80-81 zu einem weltumspannenden Projekt, bestehend aus Kollaborationen (u.a. mit Künstlern und Astrologen), diversen Buchpublikationen, einer Opernaufführung sowie einer Psycho-Fashionshow im Neumarkt Theater kürzlich in Zürich. Kann das gut gehen?
Weil es ist so: Wenn sich bildende Künstler über dreissig mit Achtziger-Mode beschäftigen, sieht das Resultat immer, ich wiederhole, IMMMER, wie das Frühwerk von Richard Prince aus. Und es handelt entweder von a). Kokain, Kerlen, Knarren oder b). Machos, Mädchen und Moroder.

Das Blitz Kid und der General © 80*81 Magazine Blog
Bei der Aufführung in Zürich gab es einen Laufsteg sowie eine kleine ‘Show’ am Anfang und am Ende, leider sans Mode. Dazwischen gab es ca. achtzig Minuten Dauerbeschuss mit Text, Videoclips und Sound aus 80-81 nach dem Zufallsprinzip. Und ja, es gab viel Kokain, Kerle, Knarren und viel Machos, Mädchen und Moroder.
Die Wirkung war gleich wie bei einem Beutezug-Video. Bloss ist dort die Folter nach spätestens 15 Minuten vorbei. Und die Mädels nerven nicht mit Künstler-Klugscheisserei. Wo war ich gelandet…Recessionomics v Reagonomics…Gedächtnisbotox… Visual Overkill…Migränealarm. Auf diesem Laufsteg wurde das Stück Intellektuelle Männer in den Wechseljahren aufgeführt, holy shit nochmal. Get a life, get a cat, pop a viagra, get a kid. BUT PLEASE get me out of here. Einen französischen Abgang verbat die Höflichkeit und die Hoffnung auf ein Happy End. Ich schlug die Zeit tot mit Champions League via iPhone Liveticker (an richtigen Fashionshows geht ja nichts mehr ohne gut sichtbares Smartphone).

Der Cowboy und das Blitz Kid 80*81 Magazine Blog
Was für ein Publikum tut sich das an? In Zürich: Hauptsächlich schwarzgekleidete Personen über dreissig aus dem Kulturestablishment. Von denen es viele nicht bis zum Schluss durchstanden (Schade. Sie verpassten einen grossartigen Konzertmitschnitt von Roxy Music, wo Bryan Ferry, in weissem Hemd, die Ärmel hochgekrempelt, sich die Haare aus dem Gesicht streicht, eine Zigarette anzündet und die Bühne verlässt, während die Band weiterspielt. Eine Geste, mehr nicht. Aber mit einer Coolness ausgeführt, oh it could make oceans burn).
Die, die ausharrten, wurden mit Gratis-Drinks (in meinem Fall: very stiff ones) und dem Launch der ersten drei 80*81 Büchern belohnt. Diese wiederum kann ich Fashionfreunden wirklich empfehlen. Wer sucht, der findet: Ein Interview mit Giorgio Moroder über Anzüge, Armani und American Gigolo. Oder einen Original-Artikel über die Londoner Blitz Kids.
Diez und Roth kommen übrigens am 2. Juni mit einem neuen Stück nach Zürich zurück. Hoffentlich ohne intellektuelle Pershing-Raketen und Midlife Crisis.

Das Blitz Kid und das Blitz Kid 80*81 Magazine Blog
PS: Der Modedesigner Rick Owens bemerkte letzte Woche in der in der Welt Die Mode hat die Kunst inzwischen intellektuell überholt. Was Selbstreferenzialität und das Einbauen subtiler Codierungen angeht, bewegt sie sich heute auf einem mindestens so hohen Niveau wie die Kunst – nur dass sich Mode dabei häufig noch ein mysteriöses Element bewahrt hat, während die intellektuellen Spielchen der Kunst allzu oft durchschaubar sind. Sie wissen schon, ich meine all diese ironischen Künstler, die in ihre Werke Witzchen darüber einbauen, dass ihre Kunst so teuer ist.

© Das Mädchen und der Kerl 80*81 Magazine Blog
PS 2: Ich werde ALLES 80*81 Buchmaterial sammeln und die Ausbeute Ende Jahr auf Video kommentieren, I promise
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Published 2010-04-22 01:23:18 in PLAYLUST KOMPAKT (DE)
PLAYLUST KOMPAKT NO 14: KLASSE KLAMOTTEN & KESSE KAROSSEN
Der Flug dauerte ein halbes Sandwich lang, und schon landete ich in Stuttgart. Es herrschte Kaiserwetter bei gefühlten 30 Grad. Bei COS in der Königsstrasse fand ich Abkühlung und nach zwei Minuten die jahrelang gesuchten perfekten Shorts aus grauem Jersey. Dem Sommerziel Total Grey Look einen entscheidenden Schritt näher gekommen, ging’s beschwingt zurück ins Hotel Le Meridien direkt beim Schlossgarten. Doch zum Lustwandeln blieb keine Zeit.
Ich war Gast von Mercedes-Benz. Der Autogigant veranstaltete zum ersten Mal einen Brand Workshop für ausgewählte Top-Blogs aus Europa und den USA. Das Programm: Vortrag ‘European Luxury’, Führung durchs Mercedes-Benz Museum, Demonstration im Design-Zentrum Sindelfingen und Testfahrten. Als bekennender Fahrrad- und Zugfan sagte ich sofort zu. Teste im Notfall einfach den Hotel-Pool, riet ein Freund.
Die Befürchtung, das Fashion Victim unter bloggenden Autonerds zu sein, bestätigte sich nicht. Die Artenvielfalt war beachtlich. Viele Designblogs, etwas Lifestyle, wenig Autoblogs. Gut, das Geschlechterverhältnis war: 29 Männer zu 5 Frauen. Ein Vorteil beim persönlichen Defizitbereich Small Talk Skills. Das 3-Gang Nachtessen fand in der penthousigen Teppichetage des Mercedes-Benz Museum statt. Von dort oben hatten wir freie Sicht auf die deutsche Antwort auf das Schweizer Alpenpanorama: Autobahnkreuz, Stadion und Trainingsgelände des VFB Stuttgart, am Horizont Rebberge. Ich teilte den Tisch mit La Guiness von LVMH-Wunderkind Nowness , Gerry von Lost At E Minor und Ryan von Mocoloco. Das Tischgespräch umfasste Hard Talk Klassiker wie die Doom Metal Szene in Baltimore und Nahtod-Erlebnisse.

Am Anfang war das Pferd: Mercedes-Benz Museum. Beliebtestes Objekt bei der Führung: Das Papstmobil. Auch sehenswert: Als Entrauchungssystem dient der grösste künstlich erzeugte Tornado der Welt. © PLAY HUNTER
Nach einer kurzen Nacht (die Party in der Hotelbar dauerte bis in die After-Hours) verliess unser Blogger-Konvoi Stuttgart Richtung Designzentrum Sindelfingen. Vor dem Betreten des inneren Daimler-Heiligtums mussten sämtliche Kameras und Handys abgegeben werden (Freunde von Autodesk und Powerwall-Fans lesen und gucken hier, oder hier). Dafür verliess man den Ort u.a. mit der Erkenntnis, dass für die Lederbezüge auschliesslich indoor lebendes, männliches Rindvieh aus dem süddeutschen Raum den Rohstoff liefert (keine Mückenstiche, keine Strechmarks!). Ob die Rindsviecher auch in Eselsmilch baden dürfen, liess sich nicht eruieren.
Gute Autotestberichte liefern Stoff für grossartiges Männer-Kino im Kopf. Beliebt sind zum Beispiel epische Fahrten durch finnische Wälder. Stets führt der Weg in der Playboy-trifft-Bond-Variante nach Saint Tropez. Unsere Destination hiess Testgelände Stuttgart Malmsheim. Fahrn, fahrn fahrn auf der Autobahn in die tiefste schwäbische Provinz zum Soundtrack von Aerosmith und deutschen Schnulzen aus dem Autoradio – ein Abenteur, dessen Reize gemeinhin unterschätzt werden, I tell you.
Aus reinem Spass an der Freude setzte ich mich in den SLS AMG. Spätestens hier konnte ich nachvollziehen, warum man auch Fashionblogger eingeladen hatte. Der Schlitten ist innen so eng, dass nur Models und Rennfahrer mit Jockeymassen bequem reinpassen.

Testfahrerin Hunter mit Mercedes-Supermodels: Keine Autoprüfung, dafür im Beifahrersitz stets schussbereit. Die runde blaue Sonnenbrille ist ein früherer Hingucker-Fund aus Stuttgart, btw. Das Beret ist ein Schnäppchen aus dem Zürcher Opernhaus. © PLAY HUNTER
Die Mercedes Leute waren so freundlich (und gründlich), eine Nichtfahrer-Variante anzubieten in Form eines Maybachs samt Chauffeur (Testbericht hier). Wie es heisst, soll die Edellimousine auf der Kippe stehen. Was das Spritzfährtchen noch eine Spur exklusiver machte.
In eigener Sache I: Die Vogue Paris unternahm eine Tour de Blog und besuchte auch Playlust. Merci Chérie.
In eigener Sache II: Das ZURICH LOOK BOOK ist zurück. Im Juni erscheint das online Fotomagazin und Stil-Protokol, das die definierendsten Zürcher Now&Wow Looks erfasst. Die Erstausgabe 2009 war ein Grosserfolg. Namhafte Medien aus dem In-und Ausland berichteten, darunter wichtige Blogs aus Europa und den U.S.A. In Zusammenarbeit mit Ronorp. Interessierte Anzeigenkunden melden sich bei: booking at ronorp.net
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